Dienstag, 16. Mai 2017

Thüringer Weingut Zahn (DE)

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Wein erleben - wortwörtlich

Behutsam werden die Schlauchboote im Schutz der aufziehenden Dunkelheit zu Wasser gelassen, die Teilnehmer besteigen nach und nach die Boote. Präzision und Geschick sind  gefordert, schließlich soll die Mission nicht dadurch scheitern, dass einer in die Saale plumpst. In den anstehenden 90 Minuten entscheidet sich, ob alle das Ziel im Schein des Mondes erreichen. Vergnügt werden die ersten Paddelschläge gesetzt, die ausgelassene Stimmung trägt dazu bei, das Ziel des federführenden Trios in die Tat umzusetzen: Weingenuss und Event erlebnisreich miteinander zu verbinden. Oder mit anderen Worten: Summerfeeling pur

Die Weinmacher bei der Arbeit
Weinmacher und Gastronomen bei der Arbeit
von links nach rechts: Torsten General, Elvira Zahn-General, André Zahn


Das federführende Trio besteht aus den Geschwistern André und Schwester Elvira sowie ihrem Ehemann Torsten. Die Arbeit im Erlebnisweingut Zahn haben sie sich, den jeweiligen Interessen und Stärken entsprechend, perfekt aufgeteilt. André verantwortet den Weinbau und den Weinkeller, während sich Elvira und Torsten um die Weinstube, alle Events und die Vermarktung des Unternehmens kümmern. So gehört auch die Mondscheinschlauchbootfahrt auf der Saale zum Programm dieses Thüringer Weinguts. 

Fest verbunden in der Region und in der Familie 

Familiengedanke und Zusammenhalt ist bei den Dreien stark ausgeprägt. Torsten, der aus dem westfälischen Soest an die Saale kam, betrachtet den Familienzusammenhalt als einen unermesslichen Ideenpool, der stets neue kreative Ansätze hervorbringt. André fühlt sich in dieser Konstellation ebenfalls wohl, er sieht die Familie als Sammelbecken, die einen auffängt und Raum bietet, er selbst sein zu können. "Einer für alle – alle für einen", bringt es Elvira treffend auf den Punkt.

Auch wenn André für die Weine verantwortlich ist, entscheidet er nicht allein über die Ausrichtung der Weine. Stattdessen werden alle Weine vor der Abfüllung gemeinsam mit den Eltern verkostet und Ideen für die weitere Entwicklung ersonnen. Die Eltern achten naturgemäß auf die Tradition des Unternehmens, und sprechen manchmal „mahnende“ Worte aus, wenn ihnen die Ausrichtung der Weine oder der geplanten Veranstaltungen als zu gewagt erscheinen. Das Trio schätzt die Eltern für diese Worte, da sie somit stets geerdet bleiben und das Unternehmen in gesunden Schritten weiterentwickeln. Aber sie achten nicht nur auf die Worte ihrer Eltern, sondern berücksichtigen auch die Wünsche und Gedanken ihrer Kunden. 

So verbunden, wie in der Familie, so verbunden sind sie auch mit ihrer Heimat. Verständlicherweise sieht Torsten seine Geburtsstadt noch als seine Heimat an, zugleich sieht er wie Elvira und André das Weingut und die Region als den Flecken Erde an, mit dem er fest verwurzelt ist.

Verständlicherweise gibt es auch in einem so starken Familienverbund unterschiedliche Ansichten, Charaktere, und Visionen. André bezeichnet sich selbst, als humorvoll diszipliniert sowie zuweilen stur und direkt. Er möchte stets weiter voran kommen und beherzigt den Sinnspruch: Was hast Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen. Mit anderen Worten gehört Arbeit untrennbar zu seinem Leben (Zu schade, dass Du nun nicht die verblüfften Gesichter von Elvira und Torsten sehen kannst, als André erklärte, dass die Arbeit für ihn ein unverzichtbarer Teil seines Leben ist).

Blick aus dem Gastraum auf den Freisitz
Demgegenüber bezeichnen sich Elvira und André als sehr genussorientiert und richten ihr Leben ganz nach kulinarischen und geistigen Genüssen aus. Spannend wird es dann, wenn sie sich gegenseitig charakterisieren. Elvira sieht ihren Mann als zerstreut und vergesslich. Zugleich weiß sie, dass er viele Dinge lieber selbst macht, bevor diese nicht nach seinen Vorstellungen umgesetzt werden. Hingegen beschreibt Torsten den Charakterzug seiner Frau, so, wie es von einem Ostwestfalen erwartet wird. Kurz und prägnant mit zwei Worten: immer freundlich. 

Freizeit, und was man daraus macht 

Die spärliche Freizeit gestaltet das Trio unterschiedlich. Während Elvira und André auch in ihrer Freizeit dem Genuss folgen, und ihre Urlaube, Wanderungen und Kurztrips liebend gern nach angesagten Restaurants und bekannten Köchen ausrichten (dieses auch, um Ideen für die eigene Gastronomie aufzusaugen), entspannt André gern beim Besuch von Fußballspielen (Carl Zeiss Jena), informiert sich über Architektur (da ihn dieses Metier sehr fasziniert) und saust im Winter gern mit seiner Familie verschneite Hänge hinab. Auch wenn Andrés Herz in allererster Linie für den Carl Zeiss Jena schlägt, hat es ihm auch der FC Bayern München angetan, das geht sogar so weit, dass die Biographie von Thomas Müller zu seiner Bettlektüre gehört. 

Drei schnelle Fragen und Antworten 

Wobei kannst Du am besten entspannen? 
Elvira: "Lesen und Yoga". 
André: "Mit und bei einem Glas Wein". 
Torsten: "Musik. Ohne Musik könnte ich mir mein Leben nicht vorstellen."

Worauf könntest Du nie verzichten? 
Elvira: "Kaffee, und na gut – auf Wein auch nicht."
André: "Auf meine Familie."
Torsten: "Ganz klar Musik ..."

Was ist Deine Passion oder Triebfeder für die tägliche Arbeit? 
Elvira und Torsten: "Zufriedene Gäste und jedes Jahr den eigenen Visionen ein Stück näher kommen."
André: "Die Freude an der Arbeit an und für sich – denn ich sehe stets, was ich mache und wie sich alles entwickelt."

Regional ist das neue Bio oder der Keller ist mein Gemüse

André Zahn in seiner "Zweitnatur"
Das heutige Erlebnisweingut wurde durch die Eltern ehemals als landwirtschaftlicher Nutzbetrieb (Ackerbau, Viehzucht und Weinanbau) gegründet. Von 1986 bis 1988 – also schon vor der Wende – wurden durch André eigene Weinberge angelegt. Obwohl er ursprünglich KFZ-Mechaniker werden wollte, wagte er diesen Schritt. Vielleicht war seine generelle Liebe zur Natur dafür ausschlaggebend. Heutzutage erklärt  er kurzerhand die Arbeit im Weinkeller ebenfalls als „seine“ Natur. Mit anderen Worten: Der Keller ist sein Gemüse.
Der Weinanbau erfolgt mit konventionellen Methoden, wobei André stets darauf achtet, dass er den Rebstöcken beim gesunden Wachstum zu helfen und diese niemals unnötig zu strapazieren. So setzt er nur rückstandsfreie Mittel ein, um gesunde Rebstöcke und somit auch „gesunden“ Weine zu erhalten. 

Das Weingut Zahn heute und in der Zukunft 

André: „Ich möchte, dass wir breit aufgestellt sind und nicht nur in der Region, sondern auch bundesweit einen hohen Bekanntheitsgrad erzielen. Schließlich wird es immer schwerer Wein zu verkaufen, weil es immer mehr gibt. Daher setze ich alles daran, alle Qualitäten meiner Weine permanent weiter zu entwickeln.“
Elvira und Torsten: „Da wir ein Erlebnisweingut mit Gastronomie und tollen Events sind, arbeiten wir mit Herzblut daran, dass wir in den Köpfen der Konsumenten dauerhaft als Top 5 der Region verankert sind. Wer an Saale-Unstrut denkt, soll automatisch an uns denken. Nicht mehr und nicht weniger."

Kaatschener Dachsberg - eine der Lagen des Thürunger Weingut Zahn

In eigener Sache 

Das Interview mit diesen drei überaus sympathischen und engagierten Weinmachern verging wie im Flug und ich wünsche ihnen, dass alle Ziele keine Träume bleiben. Kleine Anmerkung am Rande: Bislang war ich gegenüber Riesling aus der Region Saale-Unstrut sehr skeptisch eingestellt. Diese Skepsis wandelte sich in Begeisterung, nachdem ich den 2015er Riesling vom Kaatschener Dachsberg aus dem Hause Zahn an einem Abend mit Freunden genießen konnte. Derart filigran und „back to the roots“ hat schon lange kein Riesling mehr meinen Gaumen geküsst. Mehr möchte ich nun dazu gar nicht sagen, schließlich geht es in diesem Artikel über die Menschen hinter den Weinen. Aber soviel steht jetzt schon fest: an anderer Stelle werde ich gern mehr über diesen und andere Weine des Weinguts berichten. 

Kontakt
Thüringer Weingut Zahn
Weinbergstr. 16
99518 Großheringen
Tel. (034466) 20 356
Fax: (034466) 71 20 34
info@weingut-zahn.de
restaurant@weingut-zahn.de
http://www.erlebnisweingut.de

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